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Es gibt Worte und Gebete, die täglich oder regelmässig zu Hilfe gezogen werden. Manche, die wir nie vergessen, wie das Vater unser, welches eines der beliebtesten und bekanntesten Gebete überhaupt darstellt. Hier erhalten Sie moderne und klassische Dankesworte, Gedichte, Sprüche, Gebete und Psalme zum Danke sagen.

Dankgebet

Ohne Vorbehalt

Ohne Vorbehalt und ohne Sorgen
Leg ich meinen Tag in Deine Hand.
Sei mein Heute, sei mein Morgen,
Sei mein Gestern, das ich überwand.

Frag mich nicht nach meinen Sehnsuchtswegen,
Bin aus Deinem Mosaik ein Stein.
Wirst mich an die rechte Stelle legen,
Deinen Händen bette ich mich ein.

(Edith Stein, 1891-1942, deutsche Philosophin)

S P R U C H - BIBELVERS
Danket dem Herrn; denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich.

(Psalm 106,1)

Modernes Gedicht: Erinnerung - Glück

Wo das Wort

Wo das Wort, leise
wie man so sagt, ohne
Aufhebens zu machen
ins Glück übergeht,
ist Augenblick
wie Gegenwärtigkeit,
Erinnerung.

(© Monika Minder)

S P R U C H kurz
Nicht die Glücklichen sind dankbar. Es sind die Dankbaren, die glücklich sind.

(Francis Bacon, 1561-1626)

Bekanntes Gedicht: Abendgebet

Herr mein Gott

Mein Gott, ich danke Dir,
dass Du diesen Tag zu
Ende gebracht hast;
ich danke Dir, dass Du Leib
und Seele zur Ruhe kommen lässt.
Deine Hand war über mir und hat
mich behütet und bewahrt.
Vergib allen Kleinglauben
und alles Unrecht dieses Tages
und hilf, dass ich allen vergebe,
die mir Unrecht getan haben.

Lass mich in Frieden unter
Deinem Schutz schlafen
und bewahre mich vor den
Anfechtungen der Finsternis.

Ich befehle Dir die Meinen,
ich befehle Dir dieses Haus,
ich befehle Dir meinen Leib
und meine Seele.
Gott, Dein heiliger
Name sei gelobt.

(Dietrich Bonhoeffer, 1906-1945, deutscher Theologe)

Schöne Naturstimmung mit kurzem Spruch - zum Ausdrucken oder Versenden
Naturfoto mit Sonnenuntergang über Waldlandschaft und Licht Spruch von Milena A.L.

© Bild gedichte-danke-sprueche.net, darf ausgedruckt und privat (nicht im Internet und nicht kommerziell) gratis genutzt werden. Z.B. für eine Karte.

Bild Text

WO LICHT INS DUNKLE SCHEINT, WÄCHST LIEBE.

(© Milena A.L.)



Kurzes modernes Gedicht: Leben Glück

Danke für das Heute

Das Glück lacht lichterloh,
die gelben Blumen leuchten.
Die Bienen summen froh,
sagen danke für das Heute.

(© Hanna Schnyders)

S P R U C H - BIBELVERS
Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.

(Psalm 139,14)

Bekanntes Gedicht: Danke Hoffnung Trost

Der Herr ist mein Hirte

Der HERR ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Strasse
um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch
im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl
und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden
mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben im
Hause des HERRN immerdar.

(Psalm 23)

S P R U C H - BIBELVERS
Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden!

(Philipper 4,6)

Modernes Gedicht: Dankbar - Liebe - Geschenk - Leben

Wundervolles

Wundervolles befruchtet die Welt,
es atmet, bindet, wirkt und hält.
Blumen, blühend uns die Richtung weisen,
Sterne, leuchtend in der Dunkelheit kreisen.
Staunen wir an diesem Zauberleben,
die Liebe hat es uns gegeben.

(© Beat Jan)



Gedicht Dankbarkeit - Licht des Herrn

Dankgebet

Im Rauschen des Stromes, im Donnerklang,
Wenn Stumwind braust von fern,
Im Blättergesäusel, im Vogelgesang,
Ich höre die Stimme des Herrn.

Was duftig aus Laub durchwürzt die Luft,
Aus Blumenkelch und Kern,
Hoch steigt es empor als Opferduft,
Ich fühle den Hauch des Herrn.

Die Früchte des Feldes, die Frucht vom Baum,
Die Gaben geniess ich gern;
Was Labe mir ist auf dem Erdenraum,
Es kommt von Gott dem Herrn.

Bis irdisches Dunkel wird einst vergeh'n,
Ich werd' auf and'rem Stern
Die Glorie Gottes, die Sonne seh'n
Und preisen das Licht des Herrn!

(Ludwig August Frankl von Hochwart, 1810-1894, österr. Arzt, Dichter, Journalist, Schriftsteller)

S P R U C H
Der Mensch verlangt nicht so sehr nach Gott als nach dem Wunder.

(Fjodor Dostojewski 1821-1881, russischer Dichter)

Danke Gebet: Weihnachten - Geschenk - Natur - Leben

Ich danke Gott

Ich danke Gott und freue mich
Wie's Kind zur Weihnachtsgabe,
Dass ich hier bin! Und dass ich dich
Schön menschlich Antlitz habe.

Dass ich die Sonne, Berg und Meer,
Und Laub und Gras kann sehen
Und abends unterm Sternenheer
Und lieben Monde gehen.

Gott gebe mir nur jeden Tag.
So viel ich darf zum Leben,
Er gibt's dem Sperling auf dem Dach;
Wie sollt' er's mir nicht geben!

(Matthias Claudius, 1740-1815, deutscher Dichter, Lyriker)

S P R U C H - BIBELVERS
Du öffnest deine wohltätige Hand, und alles, was lebt, wird satt.

(Psalm 145,16; Gute Nachtricht Bibel)

Gedicht Dankbarkeit: Vertrauen - Liebe

Dankelied

Frisch auf, mein Herz! und werde Klang!
Und Seele, werde Lied!
Und Freude töne Lobgesang,
Der mir im Busen blüht!
Denn er, der alle Himmel rollt
Und zählt das Sternenheer,
Denn Gott, der Vater fromm und hold,
Verlässt mich nimmermehr.
Ich lag umhüllt mit Finsternis,
Die aus der Hölle kam,
Und durch die tiefste Seele riss
Mit Tigerklaun der Gram,
Gebrochen war mir alle Kraft,
Erloschen aller Mut,
Da rief ich dem, der alles schafft:
Mach's Vater, mach es gut!
Und plötzlich ward die Nacht zum Licht,
Zur Wonne ward das Leid,
Und wieder schaut' ich aufgericht't
Des Lebens Herrlichkeit,
Den blauen lichten Sonnenraum,
Das bunte Blumenfeld –
Da war mein Jammer nur ein Traum,
Die Welt die beste Welt.
Drum dank ich dem, der Wunder tut
Und Güte für und für,
Es rieselt jeder Tropfen Blut
Den Lobgesang in mir,
Es wird ein jeder Blick ein Strahl,
Der auf gen Himmel dringt,
Wo tausend tausend tausendmal
Das Heilig! Heilig! klingt.
Denn wie die Kindlein in dem Schoss
Die treue Mutter hegt,
Lässt seine Treue nimmer los,
Die alles selig trägt,
Und seine Liebe lockt so süss,
Was Liebe mag verstehn,
Dass wir zu ihm ins Paradies
Der Lust und Unschuld gehn.

(Ernst Moritz Arndt, 1769-1860, deutscher Schriftsteller)



Gedicht Dankbarkeit: Leben

Dank

Mein Gott, Dir sag ich Dank,
Dass Du die Jugend mir bis über alle Wipfel
In Morgenrot getaucht und Klang,
Und auf des Lebens Gipfel,
Bevor der Tag geendet,
Vom Herzen unbewacht
Den falschen Glanz gewendet,
Dass ich nicht taumle ruhmgeblendet,
Da nun herein die Nacht
Dunkelt in ernster Pracht.

(Joseph von Eichendorff 1788-1857, deutscher Lyriker, Schriftsteller)

S P R U C H kurz
GLÜCK IST, GEBORGEN SEIN.

(© Monika Minder)

Gedicht Dankbarkeit: Leben - Natur

Dank

Es fiel ein Tau wohl über Nacht
rings auf die durstig matten Auen,
und früh war in der Sonne Pracht
des Schöpfers Lob und Preis zu schauen.
Ein diamantnes Leuchten sprühte
von Strauch zu Strauch, von Halm zu Halm,
und von Milliarden Perlen glühte
zu ihm empor ein Dankespsalm.

Nun aber sendet Tag und Nacht
der Vater seinen Segen nieder,
und hat der Segen Glück gebracht,
wo bleiben dann die Dankeslieder?
Es hat der Mensch so viel zu sagen,
doch Dank an Gott, den sagt er nicht.
O, möchte er den Tau doch fragen,
der lehrte ihm die Dankespflicht!

(Karl May 1842-1912, deutscher Schriftsteller)

Dankbarkeit Gedicht: Schöpfung - Natur - Leben - Dasein

Gedanken an Gott im Frühlinge

Erhabner Gott! mein froher Geist
Schwingt sich zu deinem Throne;
Dir tönt mein schwacher Lobgesang
Vom Staub, den ich bewohne.

Wie gross ist deine Majestät!
In Millionen Chören
Seh' ich dich, Unermesslicher!
Mit Lieb' und Dank verehren.

Die Erd' ist deiner Güte voll;
Und Weisheit, Macht und Stärke
Verkündigt mir, wohin ich seh,
Gott, jedes deiner Werke.

Das sanfte Weh'n der Frühlingsluft,
Die aufgesprossne Blume,
Sind deiner Liebe Denkmal mir
Im grossen Heiligthume.

Zum Tempel wird mir jeder Hain;
Es leuchtet deine Sonne
So sanft und lieblich mir herab
Auf einen Pfad voll Wonne.

Du schufst, mein Vater, mich zum Glück,
Und ewig einst zu leben;
Dich soll, so lang ich hier noch bin,
Mein schwaches Lied erheben!

Einst werd' ich hin zur Seligkeit
Der höhern Welt mich schwingen:
Dann soll mein Geist, verklärt und rein,
Dir höh're Lieder singen.

(Johanne Juliane Schubert, 1776-1864, deutsche Dichterin)

Bibel Gedicht: Liebe

Das Hohelied der Liebe

Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, /
hätte aber die Liebe nicht, /
wäre ich ein dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke.
Und wenn ich prophetisch reden könnte /
und alle Geheimnisse wüsste /
und alle Erkenntnis hätte; /
wenn ich alle Glaubenskraft besässe /
und Berge damit versetzen könnte, /
hätte aber die Liebe nicht, /
wäre ich nichts.
Und wenn ich meine ganze Habe verschenkte, /
und wenn ich meinen Leib dem Feuer übergäbe, /
hätte aber die Liebe nicht, /
nützte es mir nichts.
Die Liebe ist langmütig, /
die Liebe ist gütig. /
Sie ereifert sich nicht, /
sie prahlt nicht, /
sie bläht sich nicht auf.
Sie handelt nicht ungehörig, /
sucht nicht ihren Vorteil, /
lässt sich nicht zum Zorn reizen, /
trägt das Böse nicht nach.
Sie freut sich nicht über das Unrecht, /
sondern freut sich an der Wahrheit.
Sie erträgt alles, /
glaubt alles, /
hofft alles, /
hält allem stand.
Die Liebe hört niemals auf. /
Prophetisches Reden hat ein Ende, /
Zungenrede verstummt, /
Erkenntnis vergeht.
Denn Stückwerk ist unser Erkennen, /
Stückwerk unser prophetisches Reden;
wenn aber das Vollendete kommt, /
vergeht alles Stückwerk.
Als ich ein Kind war, /
redete ich wie ein Kind, /
dachte wie ein Kind /
und urteilte wie ein Kind. /
Als ich ein Mann wurde, /
legte ich ab, was Kind an mir war.
Jetzt schauen wir in einen Spiegel /
und sehen nur rätselhafte Umrisse, /
dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. /
Jetzt erkenne ich unvollkommen, /
dann aber werde ich durch und durch erkennen, /
so wie ich auch durch und durch erkannt worden bin.
Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; /
doch am grössten unter ihnen ist die Liebe.

(1 Korintherbrief 13,1-13; aus: die BIBEL)

Das Vaterunser...

Bekanntes Gebet

Vater unser

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute,
und vergib uns unsre Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft
und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen



Das Gebet

Gebet von Else Lasker-Schüler

Im Gebet zu sterben

Wenn ein Mensch inbrünstig betet, tritt seine Seele an die Pforte des Körpers. Im Gebet zu sterben, erspart der entkörperten Seele den Abschied, nicht nur vom eigenen Leibe, auch den endgültigen vom Mutterleibe der Welt. Dem zu entsteigen, heißt: Sterben. Und doch handelt es sich nach himmlischen Gesetzen um ein neues Geborenwerden. Die Hülle zerreißt, aber die ewige Odemknospe lebt ein ewiges Leben, überlebt ewiglich den Tod. Denn aus der Schöpfung der Welt entspringt die Quelle des Geborenwerdens! Die abfallende, verfallende persönliche Körperwelt entäußert ihrer weiterlebenden göttlichen Kleinodie, nicht das persönliche Daseinsbewußtsein.  Aber umgekehrt. Die Seele, die ihren Körper verläßt, löscht jedes Bewußtsein ihrer Hülle aus. Hingegen der Schlaf den Körper vorübergehend zu betäuben pflegt; und die Seele des Geschöpfes sich zu entfernen vermag, schon aus lebzeitlicher Leibesumhüllung. Der Traum ist der Seele zerronnenes Bildnis, das sie beim vorübergehenden Verlassen himmlischer Abenteuerlust ihrer schlummernden Heimat zurückläßt. Des Schlafes Dunkel also gibt der Seele Gelegenheit zu entkommen, immer wieder ihre Ferien anzutreten. Wachbleibender Körper verhindert ihre Reise. Die Seele aber fordert gewaltsam ihr Recht. Ihre Nimmerwiederkehr büßt der Körper mit dem Verfall. Aber den verbotenen Weg, der Himmel und Erde verbindet, betrat noch nie, ohne den Willen Gottes, je eine Seele. - Der Mensch, der lau sein Gebet gewohnheitsgemäß verrichtet, betet, um gebetet zu haben, wird nie ein Herzbreit von sich zurücklegen, und nimmermehr werden ihm die engelhaften Vorboten der Unendlichkeit schon auf Erden begegnen. Das Gebet bedeutete den Propheten die höchste Zeremonie; die ihnen begegnenden Wunder des Himmels weihten sie zu Heiligen. Allem Beweisbaren geht Unbeweisbares voraus und umgekehrt. Wehe aber dem hungernden Herzen, das bewirtet wird von eines schmalen Verstandes geizigen Truchseß. Auf dem Erzplan der Schöpfung bewegt sich jedes Ding in der Welt auf des Zifferblatts kreisender Urthese nach dem Ruf des Urkuckucks aus dem Universum. Aber ein Ohr, das nicht lauscht dem Weltticktack der methodischen Welt, kommt entweder zu früh oder zu spät.
Gott weiß immer, wieviel Uhr es geschlagen hat. Seinem Freitag zu begegnen, der mit einem gemeinsam betet, gräbt zwischen den Straßen der Zeit in den Dschungeln der Ewigkeit, bedeutet das Glück eines gottsuchenden Menschen. Mit diesem auf göttliche Mine zu stoßen, krönt das Ziel der mutigen, religiösen Robinsonade. Unsere Erde wie jede, die wir leider nur von ferne, verschleiert von Feuer, betrachten können, sind ebenfalls vom Körper, wie wir Geschöpfe es sind, umschlossene Ewigkeiten. Ewigkeit in Zeit gespannt.
Diesem System in der Schöpfung des Ewigen verdanken wir, gemischt mit Traurigkeit über den Verlust unserer erleuchteten paradiesischen Welt, das Dasein unserer Welt. Frisch von der Ewigkeit gepflückt, leuchtend in der Blüte, hieß sie: Paradies. Ich sagte schon einmal in einer Dichtung, daß ich den Weltenkörper und den Körper der Geschöpfe, überhaupt alles Körperliche für eine Illusion der Seele halte, eine Kristallisierung der sich heimsehnenden Seele nach dem Geborgensein in Gottvaters Hand. Denn jede Seele ist Ewigkeit und möchte, losgebunden von der Urewigkeit, sich bergend in einen Rahmen stellen. Des Tieres Seele hingegen hängt irgend noch blind in seiner Körperillusion am Kosmos, noch nicht irdischer Verantwortung übergeben. Der Dichter im Zustand des Dichtens erlebt illuminiert den Halbschlummer des Tieres, aber auch der Pflanze und des Steins. Die Dichtung bettet sich neben Gott. Wie könnten sonst die von der Dichtung vergewaltigten Auserwählten die unmenschliche Verantwortung der Weisheit auf sich nehmen? Der Prophet, des Dichters ältester Bruder, erbte die Zucht des Gewissens direkt vom Schöpfer. Die Zucht des Gewissens aber adelt auch den Dichter, und der geringste Fehltritt rächt sich naturgemäß in der Glaubwürdigkeit seines Verses. Die Dichtung ergibt also vom erwählten Dichter niedergeschrieben: den Extrakt höherer Wahrheit. Die Dichtung ist eine Gunst, die der Dichter auf sich nimmt. Und selbst das mit Gott hadernde Gedicht kniet vor Ihm. Der Dichter weiß wohl, es dauert ein Leben der Vertiefung und vorangegangener Vertiefung Leben, bis er zwischen den Weiten der Welt nur ein noch "leuchtendes Liebeswort" findet, das seine Seele vorübergehend schon auf Erden vom Star erlöst. Aber dieses Wunder der Erleuchtung weht über jedes Menschenherz, der Liebe Sturm über seinem Blute und treibt vom Grund den Rest seines Urblutes Gold an seinen Strand. Urblut ist noch erhaltenes Gold, das, wenn es sich mit dem Urblut des liebenden Menschen begegnet, einen Glückszustand hervorzaubert. Urblut und Urblut ergeben: Paradies. Leuchtend und erleuchtend erkennen sich nur Menschen im Rausch der Liebe. - Den großen Vögeln sehe ich nach - sie können uns nichts erzählen aus dem grünen ewigen Bilderbuch, zwischen dessen Laub sie schweben; aber durch ihren Gesang erwachen die Blumen an den Zweigen und die Keime wollen hervor. So erfaßt der Mensch das Tier, da es mit einem seiner Pole noch dumpf in der Urwelt ruht mit all seinen Begierden und Leidenschaften, niemals ganz und gar; der Rest heißt Geheimnis!
Denn der Mensch lebt abgelöst vom Kosmos, vom Umriß der Urwelt in der Umwelt: Zeit. Der Mensch lebt in der Zeit, das Tier in der Natur und die Pflanzenseele in ihrer einheitlich grünen Blattillusion. Wie oft geschieht es, daß eine Baumart eingeht im fernsten Osten, zur selben Zeit dieselbe Gattung Baum in jenseitiger Himmelsrichtung zu welken beginnt. Das zeugt von der Säfteverbundenheit der Pflanze, die über Hecke und Hecke sich weiterschlingt. Nur selten ahnt der Mensch des Nebenmenschen Lage, jedenfalls zwingt ihn die Hellseherei nicht mit zum Verfall. Eher noch das Tier; es lebt in der Vegetation, der Mensch in der Atmosphäre. Tausendfältig verzwiefachte der Schöpfer das Tier und die Pflanze schon auf dem Plan der Schöpfung. Den Menschen aber brach er, geschaffen, ins leuchtende Welteden gestellt, in zwei Hälften. Und so drängt es den Menschen, sich immer zu teilen, um sich wiederzufinden.

Ich wollte, ein Schmerzen rege sich
Und stürze mich grausam nieder
Und riss' mich jäh an mich.

So kam's, da die Menschen sich schließlich zu Völkern verschnitten, getrenntes Menschtum sich wieder in Liebe gesetzmäßig dem Buche der Schöpfung vereint.

Es leben Rand an Rand einträchtig Land und Seen -
Wie kommt es, daß der Mensch vom Menschtum bricht,
Sich wieder sammeln muß im höheren Geschehen?

Teilbar ist nur ein Geschöpf entbunden vom Koloß der Materie. Es bleibt dem Menschen nicht erspart, Rechenschaft abzulegen vor Gott. Das Tier, noch zur Hälfte ungeboren im blinden Urbewußtsein, verhält sich verantwortungslos. Darum ist der Mensch wohl, seiner restlosen Abtrennung wegen, die vollendetste Schöpfung Gottes, aber demzufolge auch seelisch-geographisch am entferntesten gelegen von Gottwegigkeit; jedoch durch der Perspektive Uebersicht er sich ganz und gar die himmlische Sphäre erobern kann. Das Tier wie die Pflanze, auch der Stein, noch gewissermaßen an der Schnur der Schöpfung hangend, zählen zu den noch nicht ausgetragenen Schöpfungen zwischen himmlischen und irdischen Ozonen. Unsere Welt leuchetet auf dem Globus Gottes im Urlicht. Und erst ihre Verfinsterungen gebar die Sünde, die Folge großer Verwirrungen. Den "Sünder" verantwortlich zu machen seiner Sünde, ist also unlogisch - und gerade die Propheten nahmen sich der "Verirrten" an.
Paradies wurde Erdball, aber unsere blindgewordenen Gedanken und Handlungen bewegen sich in den Welttapfen Jahrhunderttausender. Die Kabbala lehrt von der "ruhenden Gottheit". Nur Gott allein besitzt die Kraft, den gleichmäßigen wie stürmenden Gang der Welt zu lenken. Man denke an wetternde Landschaften großer Künstler, in methodischem Umriß gehalten. Das kennzeichnet ja der Bilder Wert! Des Menschen vollständige Abtrennung von der Ewigkeit, ausgetragen vom Universum, unterscheidet ihn vom Tier und von der Pflanze und vom Gestein und macht ihn zum Herrn der Welt. Des Heiden Vergötterung zum Tier beruht auf des Tieres Mystifikation. Begreifliches und Unbegreifliches zum Anbeten vereint. Noch lallend kindhaft spielt dieser Urvölker Glaube: Bangemachen. Man denke an die Sphinx und an den geheimnisvollen Götzen mit dem Vogelkopf: Osiris. Wie alt und stark unterschied sich das Volk Jehovas, des Unsichtbaren Einigen Gottes: Volk, schon von allen anderen Völkern in ihrer jenseitigen unsichtbaren Religion. Die Götzen sind ein Greuel dem Gotte, der sagte: "ICH BIN, DER ICH SEIN WERDE." Im Rausch der Dichtung wird wohl jeder Dichter einmal zum Heiden - auch ich, als ich mein Gedicht, Jakob, dichtete:

Jakob war der Büffel seiner Herde,
Wenn er stampfte mit den Hufen,
Sprühte unter ihm die Erde.

Brüllend ließ er die gescheckten Brüder,
Rannte in den Urwald, an die Flüsse,
Stillte dort das Blut der Affenbisse.

Durch die müden Schmerzen in den Knöcheln
Sank er fiebernd vor dem Himmel nieder.
- Und sein Ochsgesicht - erschuf - das Lächeln.

Am gewaltigsten wirkt das Gedicht auf urwüchsige Leser oder Zuhörer. Allerdings auch auf Aegyptologen. Der Götze wirkt, Gott will walten. Es steht in der Kabbala . . . "Wenn der Stier lächelt, wird das Lamm geboren." Diese Offenbarung vergewaltigte mich in Vers. Eitelkeit kommt hier nicht in Frage, und ich beteure, nie im Leben vor meiner hebräischen Ballade: Jakob je in der Kabbala gelesen zu haben, noch von ihrem Inhalt gewußt durch Hörensagen. Ich beuge mich demütig vor meiner heiligen Erleuchtung. - Das Tier und die Pflanze, werden sie einmal abgelöst von der Ewigkeit sein und ihrer vollbewußt zwischen uns Menschen ein Leben führen? Der große Tierheiligenmaler, der blaue Reiter, der Messias der Tiere Franz Marc, liebte die Tiere so, daß er ihrer wissend wurde; vom keuschen Totschlag sprach, wenn der Tiger sich die Gazelle vom Fels holte. Das Tier tötet aus unkompliziertem Hunger, der Mensch bringt den Menschen um. Des Tieres Trieb, noch ungewürzt, aber auch von Rücksicht nichts ahnend, wälzt noch mit den Elementen der Schöpfung den Koloß der Welt. Das Bewußtsein des Tieres ist der Trieb, ihn zähmen zu wollen, so paradox es klingen mag, geschmackloser Frevel. Des Tieres Ewigkeit versuche man nicht zu kitzeln, immer bleiben es schmerzliche, jämmerliche Frühgeburten, störende Einmischungen im Willen des Schöpfers. Dressiere nicht! Aber sei gut zu den Tieren!! Gott ist ihr Zeuge.
Gott rollt ruhend durch die Welt, Gott ist der Wegweiser und die Schwelle. Immer müssen wir über Ihn und die Bewegung im Menschen bewegt sich nach dem Bewegen des Schöpfers. Der abweichende Mensch, der im Takte des Weltalls ungleich mitschreitende, verirrt sich im System der Schöpfung und gerät aus dem Gleichgewicht. Jede Störung im Weltall ist eine Folge des Nachbleibens oder Voreilens im Takte Gottes. Eine Gleichgewichtsstörung die Folge des abweichenden Geschehens der Methode der Welt. Das vorbildliche Tempo, nach dem sich der Mensch seit seiner Geburt richten soll, bewege wieder die Menschheit! Dieses Tempo zu erlangen, vertiefe man sich in Gott, in diese - - Ewigkeitspolitik. Leben bedeutet Wohlstand. Vor allem im Weizen der Seele, aber auch im Gemeingut der Früchte und des Brotes. Denn jedes Geschöpf barg ein mütterlicher Schoß, der den von ihr geborenen Leib vertrauend in den Allmutterschoß der Welt legte. Aus drei Hüllen besteht das irdische Leben, die wir durchbrechen müssen, um wieder ins Freie zu kommen, zu Gott. So ereignet sich unser Leben zweifach umhüllt in zeitlichen Ewigkeitsschößen. Umschlossen und geborgen noch in äußerster körperlicher Weltillusion: Verborgen wickelt sich das Erdenleben ab. Und doch sind wir Menschen Gottes freie Ableger. Jedes wahre Gebet ist eine Konzentration . . . Ich und Ich. Und aus dieser Selbstverbindung entsteht doppelte Kraft. Ja die Propheten rissen an Gott! wie sie die Wahrheiten donnerten in die Herzen der Völker. Und so oft verströmten göttlich den heiligen Paragraphen in unzähligen Versen. Die gewaltigen Falken Gottes stießen schreiend auf Ihn und erlebten schon in ihrer Leibes-Illusion Echo gefangener Ewigkeit, Gott die Nichtumfaßbare. Ich möchte dem Leser eine ruhige Stunde schenken mit meinem Gebet, in das ich wie in eine Girlande ab und zu eine seltene Blume stecke. Ihr Duft soll ihn nicht betäuben, aber erwecken. Wach sein zieht Gewissen nach sich. Gott ist der Wache! Wir Menschen aber verschütten unser Bewußtsein gegenseitig bis zur Entartung und besitzen doch den Diamanten der mannigfaltigsten klarsten Bewußtseinsmöglichkeit. Gottheit ist eine "ruhende Gottheit". Alle Leidenschaften ruhen in Seiner heiligen Siesta.

(Else Lasker-Schüler, 1869-1945, deutsche Dichterin)

Quelle: www.deutsche-liebeslyrik.de - Aus: Else Lasker-Schüler Werke und Briefe Kritische Ausgabe Band 4: Prosa 1921-1945, Nachgelassene Schriften; Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 2001 (S. 210-216)

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